Wenn Gott anders rechnet als wir
Es war wieder so ein Moment, in dem ich mit meinen menschlichen Erwartungen unterwegs war – und Gott mich überrascht hat.
Seit eineinhalb Jahren begleite ich ein Gemeindegründungsprojekt in der Grenzregion zwischen Steiermark und Kärnten. Dort lebt seit 27 Jahren ein Missionarsehepaar mit einem großen Traum: eine Gemeinde vor Ort zu gründen. Viele Anläufe gab es in all den Jahren, viele Ideen und Versuche – doch eine stabile Kerngruppe entstand nie. Und jetzt, im Ruhestand, öffnen sich plötzlich Türen.
Menschen mit Sehnsucht nach Gemeinschaft finden sich zusammen: Zugezogene, Menschen, die über das Internet zum Glauben gekommen sind, und andere, die ihren Glauben neu entdecken. Aus ihnen wächst ein Kernteam von elf Personen. Mutig leben sie ihren Glauben und wünschen sich, dass ihre Region von Jesus berührt wird.
Mit kleinen Veranstaltungen, unregelmäßigen Gottesdiensten und Bibelrunden versuchen sie, Menschen einzuladen und auf Jesus aufmerksam zu machen.
Es ist eine kleine Kraft – manche haben noch nie Gemeinde erlebt, andere bringen klare Vorstellungen und Prägungen mit.
Genau das ist Gemeindegründung: das Kleine wertschätzen, Großes erwarten und gemeinsam einen Weg finden.
Bei einem meiner Besuche hatten wir am Vormittag einen Workshop mit dem Kernteam – wir waren acht Personen. Am Nachmittag sollte wieder ein Gottesdienst stattfinden, und ich durfte predigen. Mehrfach hörte ich:
„Wir stehen noch ganz am Anfang. Es werden wohl nicht viele kommen. Wir haben viele Absagen bekommen.“
Das war für mich kein Problem. Ich habe schon einen Eröffnungsgottesdienst erlebt, bei dem wir nur zu fünft waren – aber das ist eine andere Geschichte.
Als ich am Nachmittag den gemieteten Saal betrat, standen dort 40 Stühle. Ich dachte: Wir werden uns in diesem Raum verlieren. Gleichzeitig wunderte ich mich: Warum so viele Stühle, wenn doch so viele abgesagt haben?
Kurz vor Beginn kamen die ersten Menschen. Dann noch mehr. Und plötzlich mussten zusätzliche Stühle geholt werden. Am Ende waren 47 Personen da – und jeder Stuhl war besetzt. Menschen tauchten auf, mit denen niemand gerechnet hatte: alte Kontakte, die jahrelang ablehnend waren, standen plötzlich in der Tür.
Was für eine Ermutigung!
Wir alle konnten nur staunen über Gottes Wege – und über seine Rechnung.
Mich erinnert diese Erfahrung daran, Gott mehr zuzutrauen. Das Kleine, das wir ihm geben, nicht geringzuschätzen, sondern zu feiern. Denn Gott kann daraus mehr machen, als wir erwarten.
Bleibt beGEISTert!
Rudi & Olga Schott