1. November 2025 | Geschichte

Als Weihnachten verboten war

1. November 2025

Man kann sich kaum vorstellen, dass einmal das schönste Fest der Christenheit in Europa verboten gewesen sein soll. Und doch begegnete gerade dieses Fest, das erst im vierten Jahrhundert in Rom und viel später bei uns eingeführt wurde, vielen Widerständen, die sich in unseren Breitengraden vor allem gegen die Sitte des Schenkens richteten.

Die Geburt Christi wurde früher am 6. Januar gefeiert. Als der christliche Glaube das Heidentum der Antike immer mehr verdrängte, erwies es sich als notwendig, den Geburtstag des „unbesiegbaren Sonnengottes“, den 25. Dezember, der mit der Wintersonnenwende zusammenfiel, zu einem christlichen Fest zu machen. Seit dem Jahre 353 feierte man daher im Römischen Reich die Geburt Christi am 25. Dezember, und es ist verständlich, dass sich viel römisches wie christliches Brauchtum mit diesem Fest verband. Ein Jahr zuvor hatte Papst Julius I. den 25. Dezember als Geburtstag Christi bestimmt.

Es dauerte noch fast ein Jahrtausend, bis sich der „freigebige“ Abend, der spätere Heilige Abend, bei uns einbürgerte. Erst um 1400 wird er von einem böhmischen Mönch erwähnt. Die Sitte, sich an diesem Abend zu beschenken, soll die Antwort der Menschen auf Gottes Liebe sein und sich daher in der Nächstenliebe zeigen.

Aber gerade das Schenken, die „Verschwendungssucht der Bürger“ und die Freigebigkeit der Paten, scheint manche Behörden im 15. Jahrhundert veranlasst zu haben, die Weihnachtsbescherung zu verbieten.

Zuweilen gab es eine genaue Liste derer, die beschenkt werden durften. Trotzdem scheint das Beschenken ein Jahrhundert später in eine milde Form der Bestechung beziehungsweise der Zwangsabgabe ausgeartet zu sein, denn nun verlangten neben Kantoren und Amtsmännern sogar die Richter und Magistratsbeamten von den Bürgern Weihnachtsgeschenke, die man ihnen aus guten Gründen nicht verweigerte. Da erließ die Polizei eigene „Schenkordnungen“.

Direkt verboten wurde das Weihnachtsfest im Jahr 1647 in England, weil die Puritaner Weihnachten für ein heidnisches Fest hielten. Die Dragoner Cromwells (Englischer Staatsmann, 1599-1658) bewachten sogar an den Weihnachtstagen die Kirchen; denn es erschien ihnen wichtiger, an diesen Tagen zu arbeiten und zu fasten, als sich auszuruhen und zu beten. Wer bei heimlichen Weihnachtsfesten ertappt wurde, musste mit schweren Strafen rechnen.

Das Verbot setzte sich jedoch nicht durch, 1660 wurde es wieder aufgehoben. Das Weihnachtsfest behauptete sich seitdem durch die Jahrhunderte bis auf den heutigen Tag. Es ist das schönste Fest der Christenheit geworden.

Klaus Ortmann