30. Juni 2025 | Geschichte

Open Doors Gründer Bruder Andrew – Teil 3

30. Juni 2025

In der weiteren Arbeit von Bruder Andrew war auch der afrikanische Kontinent im Blickfeld. 1978 fand in Malawi eine Konferenz statt, in der 250 Teilnehmer aus 37 afrikanischen Ländern südlich der Sahara teilnahmen. Danach begann eine intensive Zusammenarbeit mit Gemeinden aus verschiedenen Ländern. Man verteilte auch Bibeln, aber der Schwerpunkt wurde auf Schulungen für Pastoren und Gemeindeleitern gelegt. Viele Leiter stammten aus ärmsten Verhältnissen und hatten keine biblische Ausbildung.

Der Bibelschmuggel in die Sowjetunion wurde in den 1970er und 1980er Jahren weitergeführt. Der Bedarf an Bibeln im Land war enorm. Ein Regionalleiter hatte die Vision, sieben Millionen Bibeln im Vertrauen auf Gott ins Land zu bringen. Daraufhin erklärte Bruder Andrew: „Bevor wir an sieben Millionen Bibeln denken, lasst uns sieben Jahre lang beten.“

Von 1984 bis 1990 rief Open Doors daraufhin die erste weltweite Gebets-kampagne ins Leben. Mitarbeiter und Unterstützer beteten rund um die Uhr. Nach nur zwei Jahren wurde eine größere Umwälzung sichtbar und damit eine Veränderung im ganzen Land. Nicht immer sind die Auswirkungen des Gebets so schnell sichtbar – schließlich hatten die sowjetischen Christen bereits Jahrzehnte um einen Wandel gebetet.

Auch in den Libanon reiste Bruder Andrew. Während des Bürgerkrieges besuchte er regelmäßig Pastoren und andere christliche Leiter, die trotz des Krieges im Land blieben, um Zeugen für Jesus zu sein. 1991 konzentrierte sich Bruder Andrew noch mehr darauf, Christen in der islamischen Welt zu stärken. 1996 schrieb er: „Ich bin fest davon überzeugt, dass der Islam die größte Herausforderung für die Gemeinde Jesu ist. Wir Christen im Westen haben nicht annähernd den Grad der Hingabe, Entschlossenheit und Stärke, um die vielen muslimischen Gruppierungen zu erreichen. Christus und die Bibel fordern uns zu radikaler Hingabe auf, aber unser Lebenswandel und Lebensstil entsprechen dem nicht.“ Doch in den verfolgten Gemeinden traf er auf Christen, die mit Liebe und Opferbereitschaft an Jesus festhielten.

„Es macht mir Sorge, dass die häufigste Reaktion auf den Islam derzeit Angst ist“, meinte Andrew. „Mit Gewehren und Bomben können wir nicht den Krieg gegen den Terrorismus gewinnen. Aufgabe der Christen ist es vielmehr, die Muslime zu lieben, indem wir ihnen das Evangelium bringen, zu vergeben, wenn sie uns bekämpfen, ein Leben der völligen Hingabe an Christus zu führen und den eigentlichen Kampf aufnehmen – den geistlichen Kampf.“

Grundsätzlich war es seine Überzeugung, dass man niemals Menschen als Feinde betrachten sollte. Statt einen Feind zu suchen oder Partei zu ergreifen, sollten Christen alle Seiten mit der Liebe Jesu zu erreichen suchen.

In diesem Sinne suchte er immer wieder Kontakt zu „Terroristen“ oder anderen „Feinden“ der Christen, um Jesus zu bezeugen. So besuchte er PLO-Anführer Arafat, Hamas-Gründer Scheich Yasin oder Guerillas und Paramilitärs in Kolumbien. Bruder Andrew traf sich mit Leitern der verschiedenen Gruppen, um für die Christen einzutreten.

„Ich habe von Christus erzählt, in den kommunistischen Trainingslagern Angolas, in den Ausbildungslagern der Terroristen im Nahen Osten und bei den Guerillas El Salvadors“, erinnerte er sich. So ging er zu Vertretern islamistischer Gruppen und Organisationen, schenkte ihnen Bibeln und sprach mit ihnen über Jesus Christus.

Mitte der 1990er Jahre übergab Bruder Andrew die Leitung von Open Doors an seinen langjährigen Mitarbeiter Johan Companjen. Nachdem er die Verantwortung für den Dienst abgegeben hatte, war er viel unterwegs in der islamischen Welt, um die verfolgte Gemeinde durch Gebet und persönliche Ermutigung zu unterstützen.

Bruder Andrew und sein Nachfolger Johan Companjen

Die lokalen Gemeinden spielen laut Open Doors nach wie vor eine zentrale Rolle im Dienst für verfolgte Christen und auch die Gemeinden in Ländern mit Religionsfreiheit. Diese machen es möglich, dass Hilfsprojekte überhaupt durchgeführt werden können.

Das monatliche Magazin von Open Doors informiert über alle aktuelle Gebetsanliegen und Hintergründe. Jährlich erstellt Open Doors zudem den Weltverfolgungsindex, eine Liste der 50 Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden.

Klaus Ortmann