30. April 2025 | Andacht

Wo gibt es eine solche Liebe?

30. April 2025

Der Sommer steht vor der Tür. Schon liegen Karfreitag und Ostersonntag wieder einige Zeit zurück. Erinnern wir uns noch an diese Tage? Hatten sie etwas Besonderes an sich oder waren sie nur ein Wochenende wie jedes andere auch? Schon hat uns der Alltag wieder. Aber erinnern wir uns?

Mir ist im Laufe der diesjährigen Karwoche neu klargeworden, was Jesus da eigentlich alles geopfert hat. Alle Christen (und sogar zahlreiche Nichtchristen) kennen die Geschichte: Ein Mann wurde gekreuzigt, um für die Sünden der Menschen zu bezahlen. Dieser Mann war der Sohn Gottes. Eine knappe Woche zuvor war er noch als gefeierter Messias in Jerusalem eingezogen. So viele Menschen hatten ihm dort zugejubelt! Ein paar Tage später forderten sie fast einstimmig seinen Tod. Aus Jubel wurde Hass, aus Freude Hohn. Einfach so.

Und Jesus? Er ging seinen Weg und ließ sich kreuzigen. Und auch als die Menge ihn selbst am Kreuz noch verspottete, brachte er keine harten Worte über seine Lippen. Er bat seinen Vater, dass er ihnen diese Schuld nicht anrechnen sollte. Und dann starb er. Für sie. Für uns alle.

Was für eine Liebe muss ein Herz bewegen, um so etwas durchzumachen? Um selbst dann noch bedingungslos zu lieben, wenn einem nur Feindschaft, Spott und Verachtung entgegenschlägt? Wann hat auch nur einer von uns jemals eine solche Liebe gezeigt?

Für mich ist es beschämend, wie wenig ich meine Mitmenschen im Vergleich zu Jesus liebe. Wie wenig ich über Provokationen hinwegsehe und die Fehler anderer nicht anrechne. Wie ich selbst darin versage, meine Freunde mehr zu lieben als mich selbst – und wie viel weniger noch meine Feinde! Oder jene Menschen, die bloß eine einzige schlechte Sache gemacht haben, die mich schon erzürnt. Wo ist diese Liebe, die Jesus bis ans Kreuz trieb? Wie kann ich auch nur einen Tag als Christ leben, ohne mich danach zu sehnen? Tage, an denen ich lieber mein eigenes Recht durchsetze, als die andere Wange hinzuhalten. Tage, an denen Stolz und Selbstgerechtigkeit jeden Gedanken an Demut und Vergebung verdrängen. Ja, beschämend ist ein recht treffendes Wort.

Ich möchte uns alle ermutigen, besonders im Alltag mehr auf Jesus zu schauen. Innezuhalten, wenn uns etwas nicht passt. Und dann so zu handeln, wie Jesus gehandelt hat, als er für unsere Schuld bezahlte. Ich möchte uns ermahnen, allem Stolz und aller Selbstgerechtigkeit zu entsagen und uns daran zu erinnern, wozu Jesus uns wirklich berufen hat: Einander so zu lieben, wie er uns geliebt hat (Joh 15,12).

Rechne die Schuld deinem Bruder und deiner Schwester nicht länger an. Bemühe dich um Vergebung. Und fang an, alle Menschen zu lieben, die Gott liebt. Doch Vorsicht: Das sind tatsächlich alle.

Gott segne dich!
Joel Pfeifle